Arbeit

Bonn boomt. Als Bundesstadt und Sitz großer börsennotierter „Global Player“ ist unsere Stadt ein wahrer Arbeitsplatzmotor. Und auch die Wirtschaft in NRW hat zuletzt wieder deutlich angezogen und ist um mehr als 2 % gewachsen. Das sind gute Nachrichten für unser Land!

Wer aber – wie ich – als Mitglied der Trägerversammlung, also quasi des Aufsichtsrats des Bonner Jobcenters, auf die Entwicklung der vergangenen Jahre schaut, der erkennt auch die Kehrseiten des Erfolgs: Wo Arbeitsplätze fast ausschließlich nur im Dienstleistungssektor und eben nicht mehr in der Landwirtschaft und im verarbeitenden Gewerbe und der Industrie geschaffen werden, bestehen ganz besondere Anforderungen an die Ausbildung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Die Digitalisierung aller Lebens- und Arbeitsbereiche, die so genannte „Wirtschaft 4.0“, wird diesen Trend noch verstärken.

Wir beobachten daher im gesamten Land, dass viele Menschen nicht mehr „mitkommen“ bei dieser Entwicklung. Das Ergebnis ist eine hohe und verfestigte „Sockel-Langzeitarbeitslosigkeit“, unter der die arbeitslosen Menschen und deren Familien nicht nur finanziell leiden. Es leiden auch deren Selbstwertgefühl, deren Selbstachtung, ebenso häufig deren Familienleben und deren Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

In kommunaler Hinsicht versuchen wir dem Problem zu begegnen durch Instrumente wie dem so genannten Passiv-Aktiv-Transfer, das heißt letztlich nichts anderes als die Finanzierung von Arbeit statt Arbeitslosigkeit. Und auch das SPD-geführte NRW-Arbeitsministerium arbeitet daran, wie man insbesondere den Menschen helfen kann, die neben einer geringen oder gar keiner Qualifikation auch noch andere „Vermittlungshemmnisse“ haben.

Mit dem Modellprojekt „Sozialer Arbeitsmarkt“ hat kürzlich ein – wenn auch sehr kleiner – Versuch seinen Abschluss gefunden, langzeitarbeitslosen Menschen neben der Finanzierung von Arbeit statt Arbeitslosigkeit durch begleite Qualifizierungsmaßnahmen eine neue Perspektive für die Integration in den Arbeitsmarkt zu geben. Das Modell hat sich bewährt. Das Instrument muss daher meiner Überzeugung nach seine Fortsetzung finden – nicht mehr als Modell, sondern als aktives arbeitsmarktpolitisches Instrument des Landes. Dafür werde ich mich einsetzen.